Zukunft Mobilität: Ein Blick in die Ferne

By Andreas Walker | 2.07.2018

Wie werden wir uns in Zukunft bewegen? Wird noch jemand hinter dem Steuer sitzen? Werden Pakete mit Drohnen geliefert? Kann man Autos per Knopfdruck bestellen? Es gibt viele Fragen rund um die Zukunft der Mobilität. In der Serie "Zukunft Mobilität" wollen wir diesen Fragen auf den Grund gehen und befragen Schweizer Persönlichkeiten. Andreas Walker, Zukunftsforscher erzählt:

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Wie werden wir uns in 10 Jahren fortbewegen?
Wir werden uns wohl noch ziemlich ähnlich bewegen, wie wir das heute tun. Für viele wird - insbesondere in der Stadt - das Auto als Statussymbol weniger wichtig sein. Es geht zunehmend um die Funktion der Mobilität und weniger um den Besitz. Da Parkplätze in den Städten knapper und Verkehrsstaus immer häufiger und zeitraubender werden, gewinnt Sharing an Bedeutung - gerade auch beim Auto.

 

Da Parkplätze in den Städten knapper und Verkehrsstaus immer häufiger und zeitraubender werden, gewinnt Sharing an Bedeutung - gerade auch beim Auto. 

Wie in 50 Jahren?
Das hängt stark von den Energieträgern und den Kosten ab. Sowohl von den Kosten für den privaten Nutzer als auch für die Öffentlichkeit, welche die Verkehrsinfrastruktur finanziert. Aufgrund der Verschärfung der Umwelt- und Energiesituation und den damit verbundenen Kosten werden immer weniger ein Privatauto besitzen. Zugleich hoffen wir natürlich, dass dieser Druck zu technischen Innovationen führt. Wir erwarten, dass Grossinvestoren eine Flotte von Smart Cars kaufen und diese im Sinne von Sammeltaxis und Mitfahrgelegenheiten anbieten werden. Diese werden dann zur Konkurrenz des ÖV. Die Technologie wird uns bald Science Fiction ermöglichen. Aber werden wir uns dies finanziell leisten können? Und werden wir diese Entwicklung überhaupt mitmachen wollen? Die Unterschiede zwischen asiatischen Megacities und Dörfern in der Schweiz sind riesig und werden es auch bleiben.

 

Welche Herausforderungen kommen diesbezüglich auf die öffentliche Hand zu?
Die Diskussion, wer das alles bezahlen soll, ist bereits angebrochen. Ist es wirklich Pflicht der öffentlichen Hand, diese Infrastruktur anzubieten? Und hat sie überhaupt die Mittel oder wird sie diese für Gesundheitswesen, Altersvorsorge, Bildung oder Immigration benötigen? In anderen Ländern sind neue Finanzierungsmodelle für Bau, Unterhalt und Nutzung heute schon verbreitet.

 

Inwiefern werden wir den öffentlichen Raum umgestalten müssen?
Smart Mobility ist in unseren historisch gewachsenen Städten eine schwierige Aufgabe. Denken wir dabei nur an die Rechte der heutigen Grundstückbesitzer und an die Einsprachemöglichkeiten der Anwohner. Hier unterscheidet sich die Schweiz gewaltig von neuen Megacities in China. Auf Autobahnen oder in Städten, die heute erst gebaut werden, sieht die Umsetzbarkeit von Smart Mobility und die Finanzierung ganz anders aus.

 

Warum sind Sharing Economy Ansätze so beliebt? Woher kommt der Trend zum Teilen so plötzlich?
Diesen scheinbar plötzlichen Trend des Teilens finden wir schon in der Bibel und bei vielen indigenen Stämmen. Für mich ist das primär eine ökonomische Frage: Habe ich genug Geld, um mir Privateigentum leisten zu können oder bin ich darauf angewiesen, dass der andere mit mir teilt? In früheren Generationen wurde das Teilen zuerst vom Häuptling und Priester, dann von der Kirche, vom Landesfürsten oder vom Arbeitgeber als Patriarch und schliesslich vom Staat organisiert. Heute suchen wir neue Modelle. Organisation, Kommunikation und Flexibilität sind dank technologischer Hilfsmittel einfacher und billiger geworden und werden es dank künstlicher Intelligenz nur noch mehr. Dazu kommt, dass wir mittlerweile sehr ökonomisch denken - was ist der Sinn einer leeren Wohnung oder eines herumstehenden Autos? Und auch die Abfalllast von viel zu vielen alten privaten und nicht genutzten Gegenständen ist offensichtlich geworden.

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