Reisen macht unser Leben schöner. Aber nicht unser Essen.

By beindependent | 27.07.2014

Unabhängig werden bedeutet, alte «Gewohnheiten» auf den Prüfstand zu wuchten und gründlich abzuklopfen. Zum Beispiel: Muss unsere Nahrung zwingend um die halbe Welt transportiert werden, bevor sie auf unseren Tisch gelangt? Ein Projekt auf dem Basler Dreispitzareal zeigt, wie ausgerechnet die urbane Bevölkerung etwas verändern könnte – denn unsere Nahrung lässt sich auch mitten in der Stadt produzieren!

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Basel war schon immer eine Stadt der Pioniere – von Menschen, die «out of the box» gedacht haben, also über den Tellerrand des bisher Vertrauten hinausblickten, um Neues zu entdecken, erforschen und entwickeln. Der Mathematiker Leonhard Euler, der Filmproduzent Arthur Cohn, der Künstler Jean Tinguely, der Galerist Ernst Beyeler: Sie sind nur einige Beispiele für Basler, die Pionierleistungen auf ihrem Gebiet vollbracht haben.

Vielleicht wird man eines Tages auch Roman Gaus und Andreas Graber in einer solchen Aufzählung nennen. Zwar sind die Beiden technisch gesehen keine Basler, doch sie gründeten 2011 gemeinsam ein Unternehmen, das in Basel einen Blick in die Zukunft der Nahrungsmittelproduktion erlaubt. «UrbanFarmers» nennen sie sich, und sie sind getrieben von der Überzeugung «fresh food ist better food». «Better» vor allem deswegen, weil es besser schmeckt, weil es gesünder ist und weil es vornehm ausgedrückt ökologisch betrachtet wenig Sinn macht, Nahrung um die halbe Welt zu transportieren, bevor sie tatsächlich verbraucht wird. Deswegen setzen Gaus und Graber auf «urban farms»: die Nahrungsmittelproduktion mitten in der Stadt. Seit 2013 betreiben die Beiden mit ihrem Unternehmen auf dem Basler Dreispitzareal das UF001 LokDepot, die weltweit erste Dachfarm. Auf nachhaltige Weise werden hier Fische gezüchtet und Gemüse, Salat sowie Kräuter angebaut. Die Produkte gehen an verschiedene Restaurants und werden im MParc Dreispitz der Migros verkauft. Unterstützt wird das Unternehmen unter anderem von der Christoph Merian Stiftung und der Kommission für Technologie & Innovation (KTI) des Bundes.

Das Konzept hinter der Idee heisst «Aquaponic»: Ein geschlossener Kreislauf sorgt für die Düngung der Pflanzen und die Versorgung der Fische mit Frischwasser. So wird auch der Verbrauch von Wasser bei der Gemüseaufzucht auf ein Minimum reduziert. Zum Einsatz kann dieses System auf den vielen ungenutzten freien Flachflächen kommen, die in praktisch jeder Stadt der Welt vorhanden sind. Entsprechend sehen Gaus und Graber ihr Geschäftsmodell auch nicht in eigenen Dachfarmen. «We sell farms, not tomatoes», erklären sie selbstbewusst, und meinen damit: Sie wollen ihre Technologie in alle Welt verkaufen, an Supermärkte, Lebensmittelgeschäfte, Restaurants, Hotels, oder an Nachbarschaftsgruppen, die ihre eigenen Nahrungsmittel produzieren möchten. Wie unser Essen auf unseren Teller kommt, könnte sich mit dieser Idee nachhaltig verändern. Einen zentralen Schritt auf dem Weg zu dieser Revolution kannst du derzeit in Basel hautnah miterleben.

#beindependent

 

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Commentaires

Irene

27.07.2014 12:14
Was für eine tolle Sache! Wer hat Restaurant-Tipps wo mit diesen Produkten gekocht wird?

beindependent

28.07.2014 05:15
Liebe Irene Laut der Website von Urban Farmers werden die Produkte in den Restaurants Schmatz, Schifferhaus und Osteria Acqua verwendet. Ausserdem gibt es jeden Freitag und Samstag einen Verkaufsstand im MParc am Basler Dreispitz.

konrad

26.10.2016 14:54
Essen ist immer gut