Jean Tinguely: Pionier der kinetischen Kunst

By beindependent | 7.11.2014

Im Museum Tinguely findet sich ein Grossteil der Werke des Basler Ausnahmekünstlers. Derzeit lohnt sich ein Besuch gleich doppelt.

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Strikt technisch betrachtet dürfte man Jean Tinguely eigentlich gar nicht als Basler bezeichnen – er kam in Fribourg auf die Welt und er verliess sie wieder in Bern. Doch Jean Tinguely hat in Basel unverkennbar seine Spuren hinterlassen, und wir wagen zu behaupten, dass Basel auch an ihm nicht spurlos vorüber gegangen ist. Er wuchs im Gundeli auf, ging hier zur Schule und absolvierte eine Ausbildung als Dekorateur. Seinen Status als Pionier verdiente er sich in anderem Zusammenhang: als einer der wichtigsten Vertreter der kinetischen Kunst. In Basel sind langatmige Erklärungen dazu glücklicherweise überflüssig: Der Fasnachts-Brunnen beim Theater veranschaulicht besser als jede Lexikon-Definition, worum es bei dieser Stilrichtung geht. 

Jean Tinguely beschritt mit seinen Werken häufig künstlerisches Neuland und überwand althergebrachte Gewohnheiten. Er stellte die «definitive Farbe-Form-Konstellation, bisher eine Selbstverständlichkeit, infrage», wie es Rudolf Suter in der NZZ auf den Punkt bringt. Tinguelys Schaffen war stets auch von Humor geprägt. Unter anderem kreierte er Zeichenautomaten, die den Stil bekannter Künstler imitieren konnten.

Angesichts Tinguelys sich ständig in Bewegung befindlicher Werke drängt sich eine Verbindung zur Auto-Mobilität beinahe schon auf. Und tatsächlich galt der Künstler als ausgesprochen Rennsport-begeistert – zweitweise soll er seine Termine dem Formel-1-Kalender untergeordnet haben. So verwundert es kaum, dass Tinguely auch Autos in seine Arbeiten einbezog. So stand in seinem Schlafzimmer ein Lotus-Sportwagen als Plastik. Mit «Le Safari de la Mort Moscovite» zeigt Tinguely anhand eines alten, aber noch funktionstüchtigen Renault 5 schliesslich auch die Vergänglichkeit aller Konsumgüter auf.

Wir haben in Basel das grosse Glück, im Museum Tinguely viele Werke dieses faszinierenden Künstlers in unmittelbarerer Nähe zu finden. Aktuell läuft dort auch die empfehlenswerte Ausstellung «Poesie der Grossstadt. Die Affichisten». Unter anderem werden sogenannte Décollagen gezeigt – aus abgerissenen Plakaten entstandene Kunstwerke. Zu sehen sind diese noch bis zum 11. Januar. Sicher nicht die schlechteste Idee für einen verregneten Sonntag ...

 

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