Wer genau ist das eigentlich, dieser innere Schweinehund?

By beindependent | 12.11.2014

Er verhindert, dass wir alte Gewohnheiten ablegen und Neues wagen: der innere Schweinehund. Dummerweise gibt er sich so clever als netter Kumpel aus, dass es schwer fällt ihm nein zu sagen.

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Man mag ihn nicht, den inneren Schweinheund, ganz selten spricht jemand positiv über ihn – und doch kann man ihm nur schwer und vor allem nicht lange böse sein. Warum? Weil er sich clever tarnt, der hinterhältige Verhinderer. Er präsentiert sich als Kumpel, als besonders gemütlicher, der mit Chips und Bierchen bewaffnet auf der Couch sitzt und Dinge sagt wie: «Mach dich locker, ist doch gerade so schön hier, draussen ist es kalt. Und wie kommst du eigentlich auf die Idee, dir könnte es besser gehen, nachdem du ein paar Runden durch den Park gejoggt bist?» Das Ergebnis: Wir verlieren unsere Mobilität, unsere Unabhängigkeit rückt damit erst recht in weite Ferne.

Eine ganz miese Nummer ist das, innerer Schweinehund. Aha, da stossen wir auch schon auf das erste Problem. Wie soll man jemandem ordentlich die Meinung sagen, wenn man die Standpauke nicht mit einem Namen garnieren kann. Dieser Schwierigkeit hat sich schon vor einigen Jahren der Erfolgs-Autor Dr. Stefan Fädrich angenommen. Er widmet unserem Klotz am Bein eine ganze Buch-Reihe mit dem Titel «Günter, der innere Schweinehund». Danke dafür, das bringt uns einen Schritt weiter, wir können unsere Anklage präzisieren: Eine ganz miese Nummer ist das ... Günter!

Natürlich ist Stefan Fädrich nicht der einzige, der sich mit dem diesem Phänomen auseinandersetzt. Jeder, der es einmal geschafft hat, zwei Termine zum Sport am Stück einzuhalten, wird sofort zum Spezialisten für Motivation - somit kursieren mehr Tipps als Räppli an der Basler Fasnacht. «Zum Glück» mag jetzt mancher denken, doch genau das ist wieder ein fieser Trick, den der innere Schweinehund aus dem Ärmel schüttelt. Verzeihung: den Günter aus dem Ärmel schüttelt. Dieser Schweinehund. Die Botschaft: Wenn es so viele Möglichkeiten gibt, wie man ihn überwindet, muss man sich ja keine Sorgen machen und kann ruhig noch ein kleines Nickerchen einlegen. Danach kann man immer noch googeln, wo der nächste Motivationsschub herkommen könnte.

Auch auf die Gefahr hin, dieses Dilemma noch zu verschärfen, möchten wir euch ein paar völlig willkürlich ausgewählte Tippsammlungen präsentieren. Etwa diese kürzlich auf 20 Minuten Online erschienene. Pack am Morgen deine Tasche und geh nach der Arbeit direkt zum Sport, lautet einer der Vorschläge. Nicht gerade maximale psychologische Flughöhe, aber immerhin praxisorientiert. Empfehlenswert sind auch die Kommentare unter dem Artikel, die sich zwischen unterhaltsam und hilfreich bewegen. Das deutsche Magazin Stern hat sich mit Julia Schüler unterhalten, Oberassistentin am Lehrstuhl Motivationspsychologie der Universität Zürich. Ein Ergebnis des spannenden Interviews: Man muss verstehen, mit welchen Anreizen man sich selbst ködern kann.

Das klingt jetzt ein wenig danach, als käme Günter nur ins Spiel, wenn wir am Abend Sport treiben wollen. Oder eben nicht wollen. Dabei bremst uns der innere Schweinehund nicht nur, wenn wir eigentlich den Allerwertesten heben sollten, sondern auch, wenn wir alte, lästige Gewohnheiten ablegen möchten. «Hast du schon immer so gemacht, warum jetzt was ändern?» ist dann seine Botschaft. Das klassischste aller Beispiele: mit dem Rauchen aufhören. Auch Stefan Fädrich widmet dieser Thematik ein Günter-Buch, Tausende anderer Autoren tun es ihm gleich. Unzählige Apps versuchen die Sucht auf elektronischem Weg in den Griff zu bekommen. Coaches tingeln durch Mehrzweck-Hallen oder Fernsehsendungen und behaupten, das Patent-Rezept im Gepäck zu haben. Tatsache ist: Schaffen muss es am Ende eben doch jeder für sich selbst.

Es wurde schon so viel darüber geschrieben und gesprochen, wie man ihn überlistet, austrickst, zähmt, los wird, überwindet, diesen inneren Schweinehund, dass wir uns nicht mit dem 1001. Tipp anschliessen möchten. Aber so viel glauben wir verstanden zu haben: Vor allem braucht man einen Grund, ihn zu überwinden. Wenn man nicht sieht, dass sich etwas verbessern könnte, gibt es auch keinen Grund, etwas zu verändern. Man trennt sich nur von etwas, wenn man bestimmt weiss, dass es ohne dieses «Etwas» besser geht. Deswegen kommen wir ganz am Schluss eben doch noch mit einer Empfehlung: Am besten fängt man mit einem möglichst einfachen Fall an. Unsere Botschaft lautet: Trenne dich ... zum Beispiel vom nächsten Ölwechsel. Den übernimmt nämlich gerne Catch a Car für dich. ;-)

 

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