Wie sieht die Zukunft der Mobilität in 10 Jahren aus?

By Henrik Becker | 15.05.2018

Wie werden wir uns in Zukunft bewegen? Es gibt viele Fragen rund um die Zukunft der Mobilität. In der Serie "Zukunft Mobilität" wollen wir diesen Fragen auf den Grund gehen und befragen Schweizer Persönlichkeiten. Henrik Becker, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich klärt auf:

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Wie werden wir uns in 10 Jahren fortbewegen? Wie in 50?
In den nächsten zehn Jahren werden wir eine Vielzahl neuer Mobilitätsangebote kennenlernen, die durch den technologischen Fortschritt ermöglicht werden. Hierzu zählen neben Car-Sharing-Angeboten sicherlich auch dynamische ÖV-Angebote ohne Fahrplan oder feste Linien. In 50 Jahren, wenn automatisiertes Fahren auch innerhalb von Städten die Regel sein wird, werden uns vermutlich einige dieser heute noch neuen, dynamischen Angebote, zusammen mit einem verkleinerten netzbasierten öffentlichen Verkehr und natürlich unseren privaten automatisierten Autos zur Verfügung stehen.

In den nächsten zehn Jahren werden wir eine Vielzahl neuer Mobilitätsangebote kennenlernen, die durch den technologischen Fortschritt ermöglicht werden.

Welche Herausforderungen kommen diesbezüglich auf die öffentliche Hand zu? Inwiefern werden wir den öffentlichen Raum umgestalten müssen?
Die neuen Mobilitätsangebote brechen den bisherigen Dualismus zwischen privatem Auto und öffentlichem Verkehr auf. Das Angebot wird vielfältiger und individueller. Es wird neue Lösungen geben, z.B. entlegene Gebiete effizienter anzubinden oder der Parkplatzknappheit zu begegnen. Andererseits drohen die sinkenden Grenzkosten, unsere Nachfrage nach Mobilität zu steigern, was zu mehr Staus und volleren Zügen führen kann. Die öffentliche Hand wird neue Methoden finden müssen, um die begrenzte Infrastruktur optimal zu nutzen. Dazu können die Regulierung und Lizenzierung von Betreibern ebenso gehören wie das jüngst diskutierte "Mobility Pricing".

Welche sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Trends in der Mobilität? Was wird uns am nachhaltigsten beeinflussen?
Die wichtigsten Megatrends sind aktuell die Digitalisierung, die Automatisierung und elektrische Antriebssysteme. Insbesondere die ersten beiden werden ganz neue Formen von Mobilität ermöglichen.

Wo stehen Schweizer Städte in Bezug auf neue Mobilitätsformen wie Carsharing im internationalen Vergleich?
In der Schweiz gibt es bereits viele interessante Angebote der geteilten Mobilität, vom Car-Sharing bis zu geteilten Rollern. Auch gibt es schon spannende Pilotversuche mit automatisierten Fahrzeugen. Einzig für die Regulierung und das Management des künftigen Verkehrssystems gibt es noch erstaunlich wenig Ansätze.

Welche Stadt erachten Sie hinsichtlich Mobilität als innovativ und warum?
Im internationalen Vergleich denkt man sofort an London und Singapur. ÖV-Bilette werden dort auf Smartcards geladen, sodass die Betreiber genau wissen, wann wie viele Fahrgäste in welchen Bus oder Zug einsteigen, Detektoren registrieren die Einfahrt jedes Autos in die Stadt. Aufbauend auf diesen Daten wird der Verkehr in Echtzeit gemanagt und (in Singapur) die Nachfrage durch dynamische Strassengebühren und tageszeitabhängige Preise für den ÖV gelenkt. Die beiden Städte zeigen, wie man schon heute Big Data nutzen kann, um allen Reisenden effiziente Mobilität bieten zu können.

Besitzen Sie ein Auto? Unter welchen Umständen würden Sie es verkaufen, um ausschliesslich auf ein Car-Sharing-Angebot zurückzugreifen?
Nein, ich besitze kein Auto. Im Übrigen denke ich nicht, dass Car-Sharing der direkte Ersatz für ein privates Auto sein kann - in einem solchen Fall wäre das eigene Auto immer die bequemere und günstigere Lösung. Vielmehr ist es der "Joker" für die Momente, in denen man wirklich einmal ein Auto braucht.

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