Woher kommt eigentlich Vogel Gryff?

By #beindependent | 20.01.2015

Das alljährliche Spektakel als höchster Feiertag Kleinbasels

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Eröffnet wird der Feiertag um 10.30h mit der Rheinfahrt des Wilden Mannes auf einem Floss. Mit Bollerschüssen und Trommelspiel wird der Festzug rund um die Figuren Vogel Gryff, Leu und Wild Maa fortgesetzt. Begleitet von Herren in Tracht und erhobenen Bannern. Gemeinsam mit drei Tambouren, drei Bannerherren und vier Ueli, die Geld für Bedürftige sammeln, ziehen sie durch Kleinbasel und führen ihre traditionellen Tänze vor. Dabei wird stets beachtet, dass nur die Kleinbasler gegrüsst werden. Bei den Tänzen wird den Grossbaslern bewusst den Rücken zugekehrt.
Das Programm dauert jeweils den ganzen Tag an und beinhaltet nebst den unzähligen Schauplätzen zur Tanzvorführung auch mehrere Einkehre zum Umtrunk. Abschluss des Umzugs bildet das traditionelle „Gryffemähli“, eine ausgedehnte Mahlzeit.

Keinesfalls handelt es sich beim Vogel Gryff um eine vorfasnächtliche Veranstaltung. Dies sei nicht-Baslern vorweg gesagt. Obwohl der Ursprung des Brauchtums durchaus parallelen zur Fasnacht aufweist.

Die drei E
Bei den Hauptfiguren des Spektakels handelt es sich um die Wappenhalter der drei Kleinbasler Ehrengesellschaften. Die sogenannten drei E vereinten dereinst die Berufsleute in diesem Stadtteil von Basel. Es handelt sich um die Gesellschaften zum Rebhaus, zum Hären und zum Greifen die jeweils 150 Mitglieder aufweisen.
Zugehörig zum Rebhaus waren vorwiegend Rebleute, Bauern und Gärtner. Überliefert als Gesellschaft ab 1304. Das Wappen zeigt ein Rebmesser auf grünem Grund. Dargestellt am Umzug wir zum Rebhaus durch den Leu. Er symbolisiert mit seiner mächtigen Gestalt die hohe Bedeutung und aufmunternde Wirkung des Weins zu dieser Zeit.
Der Gesellschaft zur Hären gehörten ursprünglich Jäger, Fischer sowie der Adel von Kleinbasel an. Erstmals erwähnt wurde diese im Jahre 1384. Die auf dem Wappen ersichtliche „Häre“ diente zu dieser Zeit als Vogelfalle auf Bäumen und Büschen. Ihr Wappenhalter ist der Wilde Maa. Er stellt die Wälder und Flussauen, die Lebensgrundlage dieser Berufsleute dar.
Zum Greifen vereinte vorwiegend Handwerker wie Weber, Müller oder Gerber. Häufig standen diese in Diensten von lokalen Klöstern. Im Wappen wird dies durch das weisse Kreuz auf blauem Grund symbolisiert. Das Ehrenzeichen, der Greif jedoch, weist keinen engeren Bezug zu diesem Berufsstand auf. Es stammt vom Versammlungshaus „Haus zum Greifen“. Genannt wurde die Gesellschaft erstmals um 1409.

Damals kümmerten sich die Gesellschaften nicht nur um die Anliegen der jeweiligen Berufszünfte, sondern auch um das politische und soziale Leben der Stadt. So hatten diese auch die Aufgabe der Bewachung der Stadtmauer. Aus der jährlichen Waffenmusterung zur dieser Bewachung ist der Ursprung des Umzugs und des heutigen Feiertages zu finden. Damals wurden die Musterungen jeweils mit einem Marsch durch Kleinbasel und einer Mahlzeit abgerundet.

Abwechslungsweise hat jedes Jahr eine der drei Gesellschaften ihren Durchführungstag, der zwischen dem 13. und dem 27. Januar liegt. Der diesjährige 20. Januar ist der Tag der Gesellschaft zur Hären.

Wir wünschen einen erlebnisreichen Vogel Gryff!

 

(Bilder: Basel Tourismus)

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