Blitz, Donner und Worte für die Ewigkeit

By beindependent | 30.07.2014

Unabhängigkeit bekommt man selten geschenkt. Von einem bewussten Entscheid über das Ablegen alter Gewohnheiten bis hin zum aktiven Kampf – die nötigen Schritte unterscheiden sich von Fall zu Fall. Und manchmal kommt einfach alles zusammen. Wie man mit einem Spielzeugdrachen und einer Unterschrift zu einem der grössten Pioniere der Menschheitsgeschichte wird.

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Eine stürmische Nacht in der Nähe von Philadelphia, Mitte des 18. Jahrhunderts. Ein durchaus bereits erwachsener Mann lässt, dem Gewitter zum Trotz, einen Drachen steigen. Genau genommen wartet er sogar sehnsüchtig auf jeden Blitz, der vom Himmel kommt – denn wenn seine Theorie zutrifft, müsste einer davon unweigerlich in seinen Drachen einschlagen. Der wetterfeste Wissenschaftler heisst Benjamin Franklin, und er ist überzeugt, dass es sich bei einem Blitz um nichts anderes als eine elektrostatische Entladung handelt. Was für uns heute zum Allgemeinwissen gehört, war damals völlig unerhört: Eine so gewaltige Kraft wie Blitz konnte in der Vorstellung der meisten Menschen nur von einer höheren Macht stammen. Doch Benjamin Franklin war niemand, der sich mit einer solchen Erklärung zufrieden gab, weshalb er in besagter stürmischer Nacht einen Drachen steigen liess, an welchem mittels einer Schnur ein Schlüssel befestigt war. (Franklin selbst war nicht mit dieser Vorrichtung verbunden, sonst würden wir ihn heute wohl nur als das Opfer eines tragischen Unglücks kennen.) Zwar schlug der Blitz nicht wie erhofft direkt in den Drachen ein, er verfehlte ihn aber nur so knapp, dass es zu einer elektrischen Übertragung kam, die den Schlüssel Funken sprühen liess. Theorie bewiesen, Experiment unbeschadet überstanden, von einem möglichen Schnupfen einmal abgesehen.

Ob die Geschichte sich tatsächlich genau so zugetragen hat, ist unter Historikern umstritten. Kein Zweifel besteht jedoch daran, dass Benjamin Franklin aufgrund seiner Forschungen und Experimente den Blitzableiter erfand. Später kamen so unterschiedliche Objekte wie eine Urform der Schwimmflossen, ein flexibler Harnkatheter, die Glasharmonika und die Bifokalbrille hinzu. Doch so viele Leben der Blitzableiter auch gerettet haben mag, so viele Menschen dank der Zwei-Stärken-Brille angenehmere Lesestunden verbringen – Franklins grösste Pioniertat spielte sich auf einem völlig anderen Gebiet ab: Er stand Thomas Jefferson als einer der Co-Autoren der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung zur Seite und gehörte als Gründervater auch zu ihren Unterzeichnern. Das Dokument, mit dem sich die amerikanischen Kolonien von England lossagten, enthält unter anderem die berühmten Worte, die die Grundlagen wahrer Unabhängigkeit zusammenfassen: Alle Menschen wurden gleich erschaffen, ausgestattet mit einigen unveräusserlichen Rechten, zu denen das Leben, die Freiheit und das Streben nach Glück gehören. Eine Erkenntnis für die Ewigkeit, der wir einen Grossteil dessen verdanken, was wir heute etwas leichtsinnig als Lebensqualität bezeichnen.

#beindependent

Für unseren nächsten Beitrag in der Rubrik «Pioniere» werden wir wieder nach Basel zurückkehren und mit ... sagen wir einem Schifffahrtsexperten sprechen. Details folgen! 

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Kommentare

Konrad

03.03.2015 12:49
Das ist ein guter Artikel, weiter so.

Konrad

03.03.2015 13:05
Ein schöner Satz: Alle Menschen wurden gleich erschaffen, ausgestattet mit einigen unveräusserlichen Rechten, zu denen das Leben, die Freiheit und das Streben nach Glück gehören